Alle Casino News auf Deutsch
Regulierung

NFL gegen US-Börsenaufsicht: Härtere Regeln für Prognosemärkte gefordert

28. Juli 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
NFL gegen US-Börsenaufsicht: Härtere Regeln für Prognosemärkte gefordert

Die NFL kritisiert die Pläne der CFTC für Prognosemärkte scharf und fordert strengere Verbote für manipulierbare Verträge, da jährlich rund 30 Milliarden US-Dollar auf NFL-Spiele gesetzt werden.

Die National Football League hat sich mit einer deutlichen Warnung an die US-Terminmarktaufsicht Commodity Futures Trading Commission gewandt. Im Kern geht es um die Regulierung von Prognosemärkten, auf denen Nutzer Verträge über den Ausgang künftiger Ereignisse handeln können. Die NFL ist der Ansicht, dass die bisherigen Entwürfe der Aufsichtsbehörde nicht ausreichen, um die Integrität des Sports und die Interessen der Fans zu wahren. Während Anbieter wie Kalshi und Polymarket ihre Produkte oft als Finanzinstrumente einstufen, sieht die NFL darin eine Form des Glücksspiels, die weitaus strenger kontrolliert werden muss.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Verträgen, die auf Informationen basieren, die im Voraus bekannt sein könnten oder durch einzelne Personen manipulierbar sind. Dazu gehören beispielsweise Wetten darauf, welche Werbespots während der Super Bowl Übertragung zuerst laufen oder welche Spielzüge ein Trainer wählt. Die NFL befürchtet, dass Insider solche Informationen ausnutzen könnten, was den fairen Wettbewerb untergräbt. Die Liga drängt darauf, dass für diese Märkte dieselben hohen Standards gelten müssen wie für lizenzierte Sportwettenanbieter in den USA.

Zahlen und Fakten

Die wirtschaftliche Bedeutung der NFL für den Wettmarkt ist gewaltig. In der vergangenen Saison zog die Liga Wetteinsätze in Höhe von rund 30 Milliarden US-Dollar an. Analysten zufolge finden bis zu 60 Prozent des gesamten jährlichen Wettvolumens und der daraus resultierenden Einnahmen in den USA während der NFL-Saison zwischen September und Februar statt. Diese Zahlen verdeutlichen, warum die Liga ein massives Interesse daran hat, jede Form von Marktmanipulation zu verhindern.

Die Kritik der NFL richtet sich auch gegen spezifische Plattformen. In der Vergangenheit gab es beispielsweise Kontrakte bei Kalshi und Polymarket, die sich darauf bezogen, welche spezifische Werbung während des Super Bowls ausgestrahlt wird. Solche Informationen sind laut Kritikern oft vorab für einen kleinen Kreis von Personen zugänglich. Zudem fordert die Liga, das Mindestalter für solche Sportkontrakte einheitlich auf 21 Jahre festzulegen. Bisherige Entwürfe der CFTC werden diesem Schutzbedürfnis laut NFL nicht gerecht.

„Die Regelentwürfe bleiben deutlich hinter dem Schutz der Integrität von Sportereignissen und der Fans zurück, die an diesen Märkten teilnehmen." - Unbenannter Vertreter, National Football League (aus einem Brief an die CFTC)

Hintergrund

Der Konflikt in den USA ist komplex, da Prognosemärkte juristisch oft als Derivatebörsen und nicht als Buchmacher auftreten. Dies führt zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen staatlichen Glücksspielbehörden und der Bundesaufsicht CFTC. Während die Major League Baseball (MLB) bereits im März eine Kooperationsvereinbarung mit der CFTC geschlossen und Polymarket als exklusiven Partner benannt hat, schlägt die NFL einen deutlich konfrontativeren Kurs ein. Sie fordert eine zentrale Selbstsperrliste und verpflichtende Kontrollen für Einzahlungen und Verluste.

Senator Bill DeMora aus Ohio bezeichnete Anbieter wie Kalshi sogar als Blender, da sie seiner Meinung nach faktisch Sportwetten anbieten, ohne sich an die entsprechenden Steuergesetze und Regulierungen zu halten. Er brachte einen Gesetzentwurf ein, der Prognosemärkte in Ohio wie klassische Sportwettenanbieter besteuern und lizenzieren soll. Ähnliche rechtliche Auseinandersetzungen gibt es in Kentucky, wo Generalstaatsanwalt Russell Coleman Klagen gegen Kalshi und Polymarket eingereicht hat, da diese illegales Glücksspiel betreiben würden.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist die Situation eindeutig, aber dennoch lehrreich. In Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) das maßgebliche Regelwerk. Prognosemärkte, wie sie in den USA aktuell diskutiert werden, müssten in Deutschland eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen, um legal operieren zu dürfen. Bisher stehen Plattformen wie Polymarket oder Kalshi nicht auf der offiziellen Whitelist der GGL. Das bedeutet, dass die Teilnahme an solchen Märkten aus Deutschland heraus rechtlich riskant ist und keinen staatlichen Schutz genießt.

Die von der NFL geforderten Maßnahmen, wie einzahlungslimits und Sperrlisten, sind in Deutschland durch das LUGAS-System bereits Realität. Deutsche Spieler unterliegen einem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und einem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen. Die NFL fordert im Grunde genau das, was deutsche Spieler durch die GGL-Regulierung bereits kennen: maximalen Spielerschutz und die Unterbindung von Manipulation durch klare technische Hürden.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz können diesen Streit als Bestätigung ihres eigenen Geschäftsmodells sehen. Während in den USA nun mühsam über Insiderhandel und Manipulationsschutz auf Prognosemärkten gestritten wird, bietet der deutsche Markt durch die strikte Trennung von Finanzprodukten und Glücksspiel eine höhere Rechtssicherheit. GGL-lizenzierte Anbieter müssen ohnehin proaktive Suchtpräventionsprotokolle nutzen, die über das hinausgehen, was die CFTC aktuell plant. Für lizenzierte deutsche Betreiber bedeutet der US-Konflikt vor allem, dass das Thema Integrität im Sportwettenbereich auch international immer stärker in den Fokus rückt, was langfristig die Bedeutung seriöser Lizenzen stärkt.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen