Steuer-Schock in Großbritannien: HMRC jagt Gewinnspiel-Anbieter wegen Mehrwertsteuer

Die britische Steuerbehörde HMRC fordert nun die Standard-Mehrwertsteuer auf Teilnahmegebühren bei Gewinnspielen, was Firmen wie DrawHouse unter massiven finanziellen Druck setzt.
In Großbritannien braut sich ein gewaltiger Sturm über dem Sektor der kommerziellen Gewinnspiele zusammen. Die britische Steuerbehörde HM Revenue & Customs, kurz HMRC genannt, hat damit begonnen, Betreiber von sogenannten Prize Draws direkt zu kontaktieren. Es geht um viel Geld, denn die Behörde vertritt nun den klaren Standpunkt, dass Teilnahmegebühren für diese Auslosungen der normalen Mehrwertsteuer unterliegen. Bisher bewegten sich viele dieser Anbieter in einer Grauzone oder nutzten steuerliche Auslegungen, die sie von dieser Last befreiten. Damit könnte nun Schluss sein, da die Behörde den Druck massiv erhöht.
Diese Entwicklung trifft eine Branche, der es in den letzten Jahren sehr gut ging. Viele Unternehmen haben Geschäftsmodelle auf Basis des freiwilligen Kodex des Ministeriums für Kultur, Medien und Sport, dem DCMS Voluntary Code, aufgebaut. Doch die steuerliche Einordnung als steuerpflichtige Dienstleistung zum Standardsatz verändert die Kalkulation grundlegend. Wenn ein erheblicher Teil der Einnahmen direkt an den Fiskus abfließt, wackeln die mühsam kalkulierten Margen. Besonders brisant ist dabei, dass die HMRC nicht nur in die Zukunft blickt, sondern auch die steuerliche Behandlung in der Vergangenheit prüft.
Zahlen und Fakten
Die Tragweite dieser Entscheidung wird deutlich, wenn man sich die beteiligten Akteure ansieht. Das Unternehmen DrawHouse, eine Plattform für Business-to-Business Gewinnspiele, meldete bereits, dass zahlreiche Betreiber kontaktiert wurden. Die HMRC beruft sich dabei auf eine parlamentarische Anfrage aus diesem Jahr, in der das britische Finanzministerium die Auffassung bestätigte, dass die Gebühren unter den Standard-Umsatzsteuersatz fallen. In Großbritannien liegt dieser Regelsatz derzeit bei 20 Prozent.
Einige Steuerexperten halten dagegen und behaupten, dass die aktuelle Gesetzgebung diese Interpretation der HMRC gar nicht stützt. Es gibt hitzige Debatten darüber, ob die Steuer nicht eher auf den Bruttogewinn statt auf den Ticketverkauf erhoben werden sollte. Bisher gibt es dazu allerdings keine Einigung mit der Behörde. Für die Unternehmen geht es um die Existenz, da viele ihre überschüssigen Mittel in Marketing, neue Technologien oder Personal gesteckt haben. Jamie Pinner, der kaufmännische Leiter von DrawHouse, findet deutliche Worte für die aktuelle Lage.
„Mehrwertsteuer und Besteuerung sind keine theoretische Debatte mehr für den Gewinnspielmarkt, sie sind ein aktuelles kommerzielles Thema, das von den Betreibern mit Priorität diskutiert wird. Die endgültige Position mag ungewiss sein, aber Veränderungen stehen bevor und die Betreiber müssen für einen Markt planen, der strukturierter, genauer geprüft und potenziell stärker besteuert wird.“ - Jamie Pinner, Chief Commercial Officer bei DrawHouse
Hintergrund
Warum ist das gerade jetzt ein Thema? Die britische Regierung sucht nach Wegen, die Einnahmen zu erhöhen, und der Glücksspielmarkt sowie angrenzende Gebiete wie Gewinnspiel-Auslosungen stehen unter Dauerbeobachtung. Viele dieser Prize Draws funktionieren über den Verkauf von Losen, wobei oft ein kleiner Teil für wohltätige Zwecke gespendet wird, um sich von regulärem Glücksspiel abzugrenzen. Die HMRC sieht darin jedoch eine kommerzielle Dienstleistung. Werden diese Forderungen rückwirkend durchgesetzt, müssten Betreiber Steuern für Jahre nachzahlen, in denen sie keinen Cent dafür zurückgelegt haben. Das könnte eine Insolvenzwelle auslösen, da das Geld oft schon längst ausgegeben oder an Aktionäre verteilt wurde.
Die rechtliche Unsicherheit macht es den Firmen zudem schwer, Preise für die Zukunft festzulegen. Erhöht man die Ticketpreise um 20 Prozent, könnten die Kunden wegbleiben. Behält man die Preise bei und führt die Steuer ab, schrumpft der Gewinn massiv. Es ist ein klassisches Dilemma, das zeigt, wie schnell sich regulatorische Rahmenbedingungen in der iGaming-Welt ändern können. Die Betreiber müssen sich nun auf eine Ära einstellen, in der der Staat weitaus genauer hinschaut, was mit jedem eingenommenen Pfund passiert.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die gerne an internationalen Verlosungen teilnehmen, ist Vorsicht geboten. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) regelt sehr strikt, was als erlaubtes Glücksspiel gilt und was nicht. Britische Gewinnspiele ohne deutsche Lizenz befinden sich hierzulande oft in einer rechtlichen Grauzone oder sind schlichtweg illegal. Die aktuellen Steuerprobleme in UK könnten dazu führen, dass viele dieser Anbieter den Zugang für ausländische Kunden einschränken oder ganz einstellen, um weitere rechtliche Komplikationen zu vermeiden.
In Deutschland ist die Lage durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) klar definiert. Wer sicher spielen will, sollte ausschließlich Plattformen nutzen, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Dort sind die Regeln zum Spielerschutz, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten, fest verankert. Diese Systeme werden über LUGAS und OASIS überwacht, um Suchtprävention zu gewährleisten. Britische Gewinnspiel-Seiten bieten diesen Schutz in der Regel nicht und stehen nun durch die HMRC-Forderungen wirtschaftlich auf tönernen Füßen, was auch die Auszahlung von Gewinnen gefährden könnte.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen GGL-Lizenz könnte der Druck auf britische Konkurrenten sogar eine gute Nachricht sein. Je stärker der graue Markt unter Druck gerät, desto attraktiver werden die legalen, regulierten Angebote in Deutschland. Die GGL-Casinos zahlen ihre Steuern bereits nach deutschen Regeln, was für eine hohe finanzielle Stabilität sorgt. Während britische Anbieter nun um ihre Existenz bangen und rückwirkende Zahlungen fürchten müssen, haben deutsche Anbieter Rechtssicherheit durch den GlüStV 2021.
Dennoch zeigt das Beispiel HMRC, dass Steuerbehörden jederzeit bereit sind, Daumenschrauben anzuziehen. Deutsche Anbieter müssen peinlich genau darauf achten, alle Auflagen zu erfüllen, um nicht ähnliche Nachzahlungsforderungen zu riskieren. Die Transparenz, die durch LUGAS geschaffen wird, schützt hier auch die Betreiber vor späteren bösen Überraschungen, da jeder Cent dokumentiert ist. Im Vergleich zu den instabilen Verhältnissen in Großbritannien erweist sich der deutsche Weg der harten Regulierung paradoxerweise als der sicherere Hafen für seriöse Unternehmen.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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